Chronik

Entstehungsgeschichte · November 2007Chronic-Cubo

An einem warmen Novemberabend im Barco Escravo, einem Speiselokal in Lagos, in dem man noch traditionelle Küche pflegt und nach dem Essen einen jungen Port vom Fass bekommt.
Das Thema: Koriander und Petersilie und andere Kräuter zum Fisch. Und so sind wir auch schnell bei der durch die Seefahrt beeinflussten Küche und den komplexen Handelsbeziehungen, die auf so unterschiedliche Weisen die Menschen miteinander vernetzen.
Nach dem Essen schlendern wir durch die Gassen und geraten durch das Tor der Stadtmauer in den oberen Teil der Stadt. In einer Bar läuft der Fernseher. Fußball - Freundschaftsspiel zwischen Österreich und England. Wegen ihrer fehlenden Qualifikationsspiele übt der Gastgeber der Euro 08 gegen lustlose Kicker von der Insel. Internationale Vernetzung der Spieler, stets daran interessiert der Unterhaltungsindustrie Avancen zu machen und den Marktwert zu steigern.
Der Wirt hat Zahnschmerzen und spielt mit seinem Tresennachbarn ein Würfelspiel. Er will sich ablenken, uns jedoch gibt er damit eine Steilvorlage ..., in die Zona de Cubo. In der Bar beschließen wir noch am selben Abend, nach unserer Rückkehr aus Portugal die Produktion von eintausend Würfeln zu beginnen.
 
Idee dabei:
Es soll jedes Einzelteil ein Kunstwerk sein, es kann aber auch ein Teilstück des Gesamtwerkes von 10x10x10 Kunstwerken sein.

Frühling 2008 · Auftragsvergabe und erste Ergebnisse.

Tausend Würfel mit 3,8 Zentimeter Kantenlänge geschnitten aus Holzleisten - unsere Bestellangabe im Baumarkt. Der Verkäufer schaut uns verdutzt an. Nach einer detaillierten Beschreibung unseres Wunsches setzt er sich kopfschüttelnd an seine Tastatur und beginnt mit dem Ausfüllen des elektronischen Auftragsformulars.
Mit dem Taschenrechner teilt er die vier Meter langen Quadratleisten, unter Berücksichtigung der Sägeschnitte, auf und errechnet den Preis. Eine Zuschnittpauschale schlägt er drauf und trägt als Abholtermin den Freitag der siebten Kalenderwoche ein. Einverstanden-geht doch-und das alles ohne unser genaues Vorhaben genauer erklären zu müssen.

Das geplante Objekt nimmt theoretische Form an.
Der Anruf beim Händler nach zwei Wochen wirft Fragen auf.
Unser Verkäufer und Auftragnehmer sei entlassen worden. Genauere Angaben zum Sachstand könne man nicht machen. Der Auftrag wäre wohl gelöscht. Man würde sich melden. Nach Wochen geduldigen Wartens bekommen wir doch noch Antwort; Es wäre nicht so einfach gewesen, der kalkulierte Preis würde aber bleiben wie besprochen. Die Pauschale hätte man viel zu günstig angegeben - abgemacht wäre jedoch abgemacht.
Also geht es los.
Schleifen, grundieren, bemalen und nummerieren.
Die Flächen von 10x10 Würfeln in 10 Schichten gelegt ergibt ein Objekt von 38x38x38 cm.
Die insgesamt 6 000 Miniaturen lassen mannigfaltige Kombinationen zu, deren genaue Anzahl wir auf Anhieb nicht zu bestimmen wissen.
Das wird wohl eine Aufgabe für Mathematikexperten.
Unsere Aufgabe liegt eher in der technischen und gestalterischen Ausführung.